Lieferkettengesetz und Vietnam: Was Importeure nachweisen müssen
- C. Jung
- 7. März
- 2 Min. Lesezeit
Seit Januar 2023 gilt in Deutschland das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG). Es verpflichtet Unternehmen, Verantwortung für die Arbeits- und Umweltbedingungen in ihren globalen Lieferketten zu übernehmen.
Für viele Importeure aus Vietnam stellt sich daher die Frage: Was genau muss ich nachweisen – und wie kann ich sicherstellen, dass meine vietnamesischen Hersteller die gesetzlichen Anforderungen erfüllen?

Was das Lieferkettengesetz fordert
Das LkSG gilt zunächst für Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern (ab 2024). Es verlangt die Einhaltung grundlegender Menschenrechts- und Umweltstandards entlang der gesamten Lieferkette. Dazu zählen:
Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit
faire Entlohnung und Arbeitszeiten
Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz
Vermeidung umweltgefährdender Stoffe und Abfälle
Achtung der Vereinigungsfreiheit und Gleichbehandlung
Unternehmen müssen entsprechende Risikomanagementsysteme einführen, Risiken regelmäßig analysieren und Gegenmaßnahmen dokumentieren.
Quelle: BAFA – Lieferkettensorgfaltspflichten
Was das für Importeure aus Vietnam bedeutet
Vietnam ist ein bedeutender Produktionsstandort für Textilien, Möbel und Konsumgüter – also genau jene Branchen, die im Fokus des Lieferkettengesetzes stehen.Deutsche Unternehmen, die dort einkaufen, sollten daher folgende Maßnahmen umsetzen:
Risikobewertung aller Lieferanten:Prüfen Sie, in welchen Bereichen Ihres Liefernetzwerks erhöhte Risiken bestehen (z. B. Arbeitszeiten, Abfallmanagement, Chemikalieneinsatz).
Code of Conduct (Verhaltenskodex):Erstellen Sie klare ethische Richtlinien und lassen Sie diese von Ihren vietnamesischen Partnern schriftlich anerkennen.
Lieferantenaudits und Schulungen:Regelmäßige Vor-Ort-Prüfungen durch unabhängige Auditoren (z. B. TÜV, SGS, Intertek) gewährleisten, dass Standards tatsächlich eingehalten werden.
Beschwerdemechanismen:Bieten Sie Lieferanten und Beschäftigten einfache, anonyme Meldewege für Verstöße.
Dokumentation und Nachweisführung:Alle Maßnahmen müssen jährlich dokumentiert und an das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) übermittelt werden.
Wie vietnamesische Hersteller darauf reagieren
Viele vietnamesische Produzenten reagieren proaktiv:Sie lassen sich nach internationalen Standards wie BSCI, SA8000 oder WRAP zertifizieren, führen interne Schulungen durch und stellen Umweltberichte bereit.Insbesondere exportorientierte Unternehmen im Bereich Textilien, Möbel und Elektronik wissen, dass Compliance inzwischen ein zentraler Wettbewerbsfaktor ist.
Quelle: AHK Vietnam – Nachhaltige Lieferketten
Risiken bei Nichteinhaltung
Verstöße gegen das Lieferkettengesetz können zu Bußgeldern und zum Ausschluss von öffentlichen Ausschreibungen führen.BAFA prüft regelmäßig stichprobenartig die eingereichten Berichte. Unternehmen müssen nachweisen, dass sie Risiken aktiv gemanagt haben – ein einfacher Verweis auf „Unwissenheit“ reicht nicht aus.
Vorteile einer sauberen Lieferkette
Ein strukturiertes Nachhaltigkeits- und Compliance-System bietet nicht nur rechtliche Sicherheit, sondern auch wirtschaftliche Vorteile:
Stärkung des Markenimages durch verantwortungsvolles Handeln
Zugang zu nachhaltigkeitsorientierten Kunden und Märkten
Stabilere Beziehungen zu Lieferanten durch klare Erwartungen
Geringeres Risiko von Produktionsausfällen oder Reputationsschäden
Fazit
Das Lieferkettengesetz verändert die globale Beschaffung nachhaltig. Wer in Vietnam produziert, sollte Transparenz und Verantwortung als festen Bestandteil seiner Sourcing-Strategie sehen.Mit klaren Regeln, geprüften Partnern und einem dokumentierten Risikomanagement erfüllen Importeure nicht nur gesetzliche Vorgaben – sie schaffen Vertrauen, Stabilität und einen echten Wettbewerbsvorteil.



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