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Zoll und Importformalitäten: Was beim Import aus Vietnam wirklich zählt

Wer Waren aus Vietnam importiert, profitiert von günstigen Produktionskosten und dem Freihandelsabkommen EVFTAzwischen der EU und Vietnam. Doch selbst mit Zollvorteilen bleibt der Importprozess komplex – von Ursprungsnachweisen über Zolltarifnummern bis hin zu Einfuhrumsatzsteuer und Dokumentenprüfung.


Dieser Leitfaden erklärt, worauf Importeure aus Deutschland achten müssen, um reibungslos und rechtssicher zu importieren.



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1. Zollfreiheit dank EVFTA – aber nur mit korrektem Ursprungsnachweis

Seit Inkrafttreten des EU-Vietnam Free Trade Agreement (EVFTA) im August 2020 sind rund 99 % aller Warengruppen zollfrei oder unterliegen einem schrittweisen Zollabbau.Voraussetzung für die Zollbefreiung ist jedoch ein gültiger Ursprungsnachweis, der belegt, dass die Ware tatsächlich in Vietnam hergestellt wurde.

Der Nachweis erfolgt über eine sogenannte „Erklärung zum Ursprung“ auf der Handelsrechnung, die der vietnamesische Exporteur ausstellt. Nur wenn diese korrekt formuliert und die Ursprungsregeln erfüllt sind, greift die Zollbegünstigung.

Quelle: Europäische Kommission – EU-Vietnam Trade Agreement

2. Zolltarifnummer und Wareneinreihung

Jedes Produkt benötigt eine eindeutige Zolltarifnummer (HS-Code), die international standardisiert ist.Die richtige Einreihung ist entscheidend, um den Zollsatz, notwendige Einfuhrgenehmigungen und Sicherheitsanforderungen zu bestimmen.

In Deutschland erfolgt die Einreihung über das Elektronische Zolltarifsystem (EZT) der Zollverwaltung. Fehler bei der Warennummer führen häufig zu Nachzahlungen oder Verzögerungen beim Zoll.

Quelle: Deutsche Zollverwaltung – EZT Online

3. Wichtige Importdokumente für Waren aus Vietnam

Für den erfolgreichen Import werden meist folgende Dokumente benötigt:

  • Handelsrechnung und Packliste

  • Ursprungsnachweis nach EVFTA

  • Bill of Lading (B/L) oder Airway Bill (AWB)

  • Frachtversicherung (sofern vereinbart)

  • ggf. Prüf- oder Qualitätszertifikate (z. B. FSC, CE, RoHS)

Tipp: Alle Dokumente sollten auf Englisch oder zweisprachig vorliegen, um Missverständnisse bei Zollprüfungen zu vermeiden.


4. Zollabwicklung in Deutschland

Die Zollanmeldung erfolgt elektronisch über das ATLAS-System (Automatisiertes Tarif- und Lokales Zollabwicklungssystem).Nach der Einfuhr wird die Einfuhrumsatzsteuer (EUSt) erhoben, die in der Regel 19 % beträgt und vom Finanzamt als Vorsteuer geltend gemacht werden kann.

Für Unternehmen, die regelmäßig importieren, empfiehlt sich eine vereinfachte Zollabwicklung über zugelassene Spediteure oder Zolldienstleister.

Quelle: Deutscher Zoll – Einfuhrverfahren

5. Produktsicherheit und EU-Konformität

Viele Produkte – insbesondere elektrische Geräte, Möbel und Spielwaren – unterliegen der CE-Kennzeichnungspflicht.Das bedeutet: Der Importeur trägt die Verantwortung, dass die Ware den europäischen Sicherheits- und Umweltstandards entspricht.Dokumentierte Prüfungen, z. B. durch SGS, TÜV oder Intertek, sind daher unerlässlich.

Für Holzprodukte gilt zusätzlich das EU-Holzhandelsgesetz (EUTR), das die Herkunft von Hölzern und deren Legalität nachweist.


6. Häufige Fehler beim Import aus Vietnam

  • Fehlende oder fehlerhafte Ursprungsnachweise

  • Unklare Warenbezeichnungen in Rechnungen

  • Fehlende CE- oder Sicherheitszertifikate

  • Falsche Zolltarifnummern

  • Nicht abgestimmte Incoterms (z. B. FOB vs. DDP)

Solche Versäumnisse führen oft zu Zollverzögerungen, Nachforderungen oder gar zur Zurückweisung der Ware.


7. Tipps für eine reibungslose Abwicklung

  • Eng mit dem vietnamesischen Lieferanten zusammenarbeiten: Er sollte die Exportdokumente korrekt ausstellen können.

  • Frühzeitig einen Zolldienstleister einbinden: Profis kennen die Feinheiten der Abwicklung.

  • Lieferbedingungen genau definieren: FOB bietet Kontrolle über Fracht und Versicherung.

  • Alle Dokumente digital archivieren: Das erleichtert Nachweise gegenüber Zoll und Finanzamt.


Fazit

Der Import aus Vietnam ist mit den richtigen Vorbereitungen unkompliziert und zollbegünstigt.Entscheidend sind korrekte Dokumente, passende Zolltarifnummern und ein professionelles Verständnis der Incoterms.Wer seine Prozesse sauber strukturiert, profitiert von schnellen Abwicklungen, niedrigen Kosten und einem klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber Wettbewerbern, die ihre Lieferketten noch nicht optimiert haben.

Mit dem EVFTA hat Vietnam sich als einer der attraktivsten Handelspartner außerhalb der EU etabliert – eine starke Basis für mittelständische Beschaffung mit Zukunft.

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