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Rechtssicher sourcen in Vietnam: Incoterms, Verträge und das EVFTA-Abkommen

Wer in Vietnam produziert oder einkauft, muss nicht nur Qualität und Preis im Blick behalten, sondern auch die rechtlichen Rahmenbedingungen im internationalen Handel. Gerade für mittelständische Unternehmen ist es entscheidend, Verträge korrekt zu gestalten, Haftungsrisiken zu minimieren und die Vorteile des EU-Vietnam-Freihandelsabkommens (EVFTA) optimal zu nutzen.

Dieser Artikel zeigt, worauf Sie beim rechtssicheren Sourcing in Vietnam achten sollten – von Incoterms über Zahlungsbedingungen bis zu Schiedsgerichtsverfahren.


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Klare Verträge als Fundament jeder Zusammenarbeit

Ein Vertrag mit einem vietnamesischen Hersteller sollte immer schriftlich in englischer Sprache abgeschlossen werden. Mündliche Absprachen sind im internationalen Handel rechtlich kaum durchsetzbar.

Wichtige Bestandteile eines Vertrags sind:


  • Produktspezifikation (inklusive Toleranzen, Materialien, Verpackung)

  • Lieferbedingungen (Incoterms® 2020)

  • Preis, Zahlungsziel und Währung

  • Haftungsregelungen bei Verzögerung oder Mängeln

  • Gerichtsstand oder Schiedsgericht

Quelle: ICC – Incoterms 2020 Rules

Incoterms: Wer trägt Risiko und Kosten?

Die Incoterms® 2020 definieren genau, wann Risiko und Verantwortung vom Verkäufer auf den Käufer übergehen.Für Importe aus Vietnam sind vor allem zwei Varianten gängig:

  • FOB (Free on Board): Der Hersteller trägt die Kosten und Risiken bis zur Verschiffung im vietnamesischen Hafen. Ab diesem Zeitpunkt liegt die Verantwortung beim Käufer.

  • DDP (Delivered Duty Paid): Der Hersteller liefert die Ware bis zur vereinbarten Adresse in Deutschland – inklusive Zoll, Fracht und Versicherung.

Die Wahl des richtigen Incoterms beeinflusst sowohl Preis als auch Risiko. Viele Importeure bevorzugen FOB, weil sie so Kontrolle über Transport und Versicherung behalten.


Das EVFTA – Europas Türöffner nach Vietnam

Das EU-Vietnam Free Trade Agreement (EVFTA) ist seit 2020 in Kraft und schafft für europäische Unternehmen erhebliche Vorteile:

  • Zollabbau von bis zu 99 % auf nahezu alle Warengruppen

  • stärkere Rechtssicherheit bei Streitfällen

  • Schutz geistigen Eigentums

  • bessere Durchsetzung von Verträgen und Nachhaltigkeitsstandards

Damit ist das EVFTA eines der modernsten Handelsabkommen weltweit – ein echter Standortvorteil für Importeure, die direkt beim Hersteller in Vietnam einkaufen.

Quelle: EU-Kommission – EVFTA Abkommen

Streitbeilegung und Schiedsgericht

Kommt es zu Unstimmigkeiten, empfiehlt sich ein Schiedsverfahren, etwa über das Vietnam International Arbitration Center (VIAC) in Ho-Chi-Minh-Stadt oder Hanoi. Diese Verfahren sind schneller und kostengünstiger als klassische Gerichtsprozesse.Alternativ kann ein Schiedsort in Europa (z. B. Hamburg oder Frankfurt) vereinbart werden, um Rechtssicherheit nach EU-Standard zu gewährleisten.

Quelle: Vietnam International Arbitration Center (VIAC)

Sichere Zahlungsbedingungen

Im Exportgeschäft mit Vietnam haben sich folgende Zahlungsarten bewährt:

  • Akkreditiv (Letter of Credit) für hohe Beträge – maximale Sicherheit für beide Seiten

  • Anzahlung + Restzahlung bei Versandfreigabe für wiederkehrende Partner

  • Dokumenteninkasso bei erprobten Beziehungen

Auch hier gilt: Klare Regeln vermeiden Missverständnisse und Liquiditätsprobleme.


Fazit

Rechtssicherheit ist die Basis erfolgreicher Beschaffung. Wer seine Verträge in Vietnam professionell gestaltet, die passenden Incoterms wählt und das EVFTA nutzt, profitiert gleich doppelt: durch niedrigere Kosten und rechtlich abgesicherte Lieferketten.

Mit klaren Regeln, seriösen Partnern und dokumentierten Prozessen lässt sich Sourcing aus Vietnam langfristig erfolgreich und risikofrei gestalten.

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